Jeden Dienstag: Kleiderkammer Niederrad

Monika Nicol (links) und Birgit Lenz in der Kleiderkammer Niederrad

Monika Nicol (links) und Birgit Lenz in der Kleiderkammer Niederrad

Die Niederräder Kleiderkammer hat ihre Türen in den Räumen der Gemeinde St. Jakobus im Dezember 2015 zum ersten Mal geöffnet. Seitdem ist aus dem Angebot für Geflüchtete aus Niederrad, Goldstein und Schwanheim längst mehr geworden als einfach nur eine Kleiderausgabe: Ein Info-Pool für Job, Wohnung und das Leben in Deutschland; ein Ort, an dem sich neue Freunde finden und alte Bekannte treffen, eine Gelegenheit zum Austausch. Hier werden Erfahrungen geteilt und Vorurteile abgebaut. Vor allem aber hat die Kleiderkammer natürlich so manchen mit warmer Jacke und festen Schuhen durch den Winter gebracht, der mit nichts in Frankfurt gelandet ist.

Die Initiatorinnen des Projekts sind Monika Nicol und Birgit Lenz. Beim ersten Treffen des Netzwerks Migration Frankfurt tauschten sich die beiden darüber aus, wie man Flüchtlingen effektiv helfen kann. Dabei kamen sie schnell darauf, dass man die jungen Männer erst mal mit den Basics versorgen sollte: Es ist kalt, sie brauchen warme Sachen.

Zweiflern wurde freundlich zugehört: Man wisse doch gar nicht, was die Flüchtlinge brauchen, Kleidung bekämen sie doch auch vom DRK, woher sollen denn überhaupt die Klamotten kommen und wo werde man sie lagern? Die beiden ließen nicht beirren – einfach anfangen, hieß die Devise. Wozu schließlich sind Hindernisse da, wenn nicht um sie aus dem Weg zu räumen. All den Vorbehalten zum Trotz wurde das Projekt dann auch vom ersten Tag an angenommen. Auch fanden sich schnell helfende Hände, um das Projekt nach dem Start am Laufen zu halten. Jeden Dienstag ist die Ausgabe der Kleiderkammer geöffnet, immer mit drei Ehrenamtlichen Helfern besetzt.

Ein bisschen Chaos gehört dazu

Natürlich blieb das Chaos nicht aus – Wo viel Leidenschaft und Herzblut drin steckt, gehört eben immer auch Improvisation dazu. Es überwiegt aber bei weitem die Bereicherung durch den regelmäßigen Kontakt zu den Menschen, die aus Syrien, Eritrea und Afghanistan nach Frankfurt kommen. Waren es zuerst nur die jungen Männer, die sich mit dem Nötigsten an warmer Kleidung versorgten, so kamen nach einiger Zeit auch die Frauen und mit ihren Wünschen: Inzwischen werden nicht mehr nur gefütterte Schuhe und Winterjacken gebraucht, auch Kinderwagen sind jetzt gefragt – und manchmal auch einfach Töpfe und Teller für diejenigen, die endlich ein eigenes Zuhause haben.

„Wir können nicht darauf warten, dass andere etwas tun. Wir müssen selbst handeln“, begründet Birgit Lenz ihr Engagement. „Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Jeder muss seinen Beitrag leisten.“ Da kann ihr Monika Nicol nur nickend zustimmen und fügt hinzu: „Wenn man sich die jugendlichen Flüchtlinge anschaut, und sich vorstellt, welche Strapazen sie auf sich genommen haben, um nach Deutschland zu kommen, bekommt man Muttergefühle.“ Deshalb wollen sie ihre Kleiderkammer solange betreiben, wie es Bedarf gibt.

Informationen zur Kleiderkammer finden sich hier. Wer helfen möchte, kann Monika Nicol unter der Adresse moni.nicol@gmx.de kontaktieren. Es wird übrigens dringend ein Kleiderständer gebraucht!