Frühstück und Sprechen: Neu- und Alt-Niederräder im Gespräch

Im Mai 2016 wurde das Integrationsangebot Frühstück und Sprechen ins Leben gerufen. Zum Organisationsteam gehören Stefanie Stein, Claudia Nowak und Christiane Kewitz.

Bericht von Christiane Kewitz; der vollständige Beitrag ist im „Kirchenboten“ der Evangelischen Paul-Gerhardt-Gemeinde erschienen.

Seitdem findet dieses Frühstück alle 2-3 Wochen jeweils von 10-12 Uhr in den Räumen der Paul-Gerhardt-Gemeinde in der Gerauerstraße 52 statt. Das mittlerweile zu 10 Personen angewachsene Organisationsteam bereitet ein Frühstück für die ca. 40 Besucher vor. Die Gäste sind Flüchtlinge – mittlerweile lieber Neu-Niederräder genannt – und eingesessene Niederräder.

Treffen unter Freunden

Das Wiedersehen bei Frühstück und Sprechen ist nach mittlerweile fast 20 Veranstaltungen ein Treffen unter Freunden. Die Neu-Niederräder wenden dort mit wechselnden Tischpartnern das in den Deutschkursen gelernte Vokabular beim Essen an. Dabei werden aktuelle Themen besprochen und jeder kann Rat für jegliche Lebenslagen einholen. So wurden bereits Praktika, Ausbildungs- und Sportangebote, Möbel, Dialog- und Lernpartner im Alltag vermittelt.  Nebenbei wird gemeinsam gebacken, es wurde das Suppenfest und der Weihnachtsmarktstand zusammen vorbereitet.

Zum Frühstück und Sprechen gehören immer auch Sprachspiele. Sprach-BINGO und andere Spiele ermuntern alle, Deutsch zu sprechen und  auf Leute zu zugehen. Vor Weihnachten wurden, passend zur Jahreszeit, Weihnachtslieder gesungen. Ilona Strobel begleitete auf der Flöte, und alle sangen kräftig mit. Zur Überraschung aller besuchte uns Thomas Stephan als Weihnachtsmann und verteilte Schoko-Nikoläuse.

Singen und Tanzen bei Frühstück und Sprechen

Die Stimmung war heiter und man sah viele strahlende Gesichter. Nach den deutschen Weihnachtsliedern führte eine Gruppe aus Eritrea spontan ein Lied mit Tanz auf. Den Text des Liedes übersetzten sie im Nachhinein: „Dieses Jahr waren wir zusammen. Nächstes Jahr werden wir wieder zusammen sein. Das wünschen wir uns für das kommende Jahr“.

Dieses Gefühl über die Freude am Miteinander, über das persönliche Verbindungen entstehen und eine so zwischenmenschliche Wärme entsteht, die uns alle positiv beflügelt und die Hilfe durch Vernetzung erleichtert, nehmen wir mit in das neue Jahr 2017.

Die nächsten Treffen:

4.2., 18.2., 4.3., 18.3. 10:00-12:00 in der Gerauerstraße 52. Neue Besucher sind herzlich willkommen.

Kontakt:

orga@netzwerk-migration-frankfurt.de
www.frankfurt4u.de

Brüder im Geiste: Kabarett in der Paul-Gerhardt-Gemeinde

Pfarrer Thomas Stephan (Foto: Renardo Damme)

Pfarrer Thomas Stephan

Lutz von Rosenberg Lipinsky und Kerim Pamuk sind am vergangenen Donnerstag mit ihrem satirischen Duo-Projekt „Kabarett zwischen Kreuz und Koran“ in der Niederräder Paul-Gerhardt-Gemeinde aufgetreten. Der Saal war erwartungsgemäß bis auf den letzten Platz besetzt, und so erntete Pfarrer Thomas Stephan den ersten Applaus des Abends auch für seinen Wunsch, so möge es doch bitte am Sonntag beim Gottesdienst auch aussehen.

Um Religion ging es dann aber auch an diesem Abend: Die Protagonisten des Abends sind ein evangelischer Theologe aus Ostwestphalen, nach Hamburg emigriert (Lutz von Rosenberg Lipinsky) und ein Orientalist, an der türkischen Schwarzmeerküste geboren und in Hamburg aufgewachsen (Kerim Pamuk).

Brüder im Geiste

Der voll besezte Gemeindesaal der Paul-Gerhardt-Gemeinde (Foto: Renardo Damme)

Voll besetzter Gemeindesaal der Paul-Gerhardt-Gemeinde

„Brüder im Geiste. Kabarett zwischen Kreuz und Koran“ ist das erste gemeinsame Projekt der Künstler. Religiöse Themen haben beide schon früher in ihren Soloprogrammen verarbeitet, 2014 haben sie sich dann fast schon folgerichtig zum Show-Duell zusammengefunden und nehmen seitdem Islam und Christentum gemeinsam unter die Lupe – und sich selbst dabei nicht allzu ernst.

Wer hat die bessere Religion? Das Scoreboard bringt die Wahrheit ans Licht

Wer hat die bessere Religion? Das Scoreboard bringt die Wahrheit ans Licht

 

 

Duell der Weltreligionen

Im interreligiösen Showkampf geht es um die großen Fragen des Glaubens: Welcher Gott war zuerst da? Wessen Buch ist heiliger? Wer hat es geschrieben und wie hat er es gemeint? Warten auf weibliche islamische Märtyrer im Paradies 72 Jungmänner? Wer spielt im christlichen Himmel die Harfe? Aber auch: Wer hat die meisten Seelen auf dem Gewissen. Kerim Pamuk und Lutz von Rosenberg Lipinsky schrecken auch vor heiklen Themen nicht zurück, richtig böse werden sie dabei aber nie.

Lutz von Rosenberg Lipinsky (links) und Kerim Pamuk

Lutz von Rosenberg Lipinsky (links) und Kerim Pamuk

Irgendwie ist bei allen Gegensätzen doch Versöhnung möglich, lautete die optimistische Botschaft des Abends. Die Stimmung im Publikum war dementsprechend gut. Obwohl Lutz von Rosenberg Lipinsky hörbar erkältet ist, wird es ein langer und kurzweiliger Abend in der Paul-Gerhardt-Gemeinde. In der Pause gab es zur Stärkung – ganz gegen das viel zitierte Karge des Protestantismus – Snacks und Getränke. Eine nette Geste der Gemeinde übrigens: Die vielen freiwiligen Helfer waren als Dank für ihr Engagement eingeladen.

Es bleibt am Schluss noch zu bemerken, dass die Protesanten im Publikum wohl in der Überzahl waren, die Katholiken hingegen weniger aber lauter – und die religiösen Minderheiten… eben doch auch hier in der Minderheit. Die Welt ist zweifellos ein bisschen besser, wenn wir lachen können über das, was uns unterscheidet; und noch ein bisschen besser wird es, wenn wir gemeinsam lachen. Dafür brauchen wir zweifellos noch ganz, ganz viele Pamuks und Rosenbergs. Aber diese beiden sind ein guter Anfang!

Fotos: Renardo Damme via Facebook

 

 

 

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